Einleitung

Burnout ist kein neuzeitliches Phänomen. In der Bibel (4. Mose 11) ist beschrieben, wie auch Mose sich vor 3000 Jahre überfordert und ausgebrannt fühlte, wie er unzufrieden im Beruf war und keine Anerkennung erhielt und schließlich depressive Züge zeigte:

"Warum tust du mir, deinem Diener, dies alles an? Womit habe ich es verdient, dass du mir eine so undankbare Aufgabe übertragen hast? Dieses Volk liegt auf mir wie eine drückende Last. Schließlich bin ich doch nicht seine Mutter, dies geboren hat! Wie kannst du von mir verlangen, dass ich es auf den Schoß nehme wie die Amme den Säugling und es auf meinen Armen in das Land trage, das du ihren Vätern zugesagt hast? Fleisch wollen sie; sie liegen mir in den Ohren mit ihrem Geschrei. Woher soll ich Fleisch nehmen für ein so großes Volk? Ich allein kann dieses ganze Volk nicht tragen, die Last ist mir zu schwer. Wenn du sie mir nicht erleichtern willst, dann hab wenigstens Erbarmen mit mir und töte mich, damit ich nicht länger diese Qual ausstehen muss."

"Der Herr antwortete Mose: "Versammle siebzig angesehene Männer aus dem Kreis der Ältesten Israels, die sich als Aufseher bewährt haben und hole sie zum Heiligen Zelt. Dort sollen sie sich neben dir aufstellen. Ich werde herabkommen und mit dir sprechen, und dann werde ich von dem Geist, den ich dir gegeben habe, einen Teil nehmen und ihnen geben. Dann können sie die Verantwortung für das Volk mit dir teilen und du brauchst die Last nicht allein zu tragen."

Die Lösung des Chefs für seinen leitenden Angestellten war also:

  • Stab von 70 Mitarbeitern
  • Lasteinteilung, Teamwork, Reduktion des Arbeitspensums


Ich möchte im Nachfolgenden die Begriffe Burnout und Stress näher erklären. Ich denke, Stress und Burnout kommt, vor allem heute - in Erweiterung zu der einleitenden Geschichte von vor 3000 Jahren - auch von unserer im Grunde genommen nicht artgerechten Lebensweise. Hierzu zählen neben dem sich immer schneller drehenden Hamsterrad auch unsere industriell verarbeiteten Lebensmittel, Gifte wie Glyphosat, Aluminium und Elektrosmog. Professor Spitz beschreibt das Leben in unserer toxischen Umgebung zutreffend als Naturdefizit-Syndrom.


Aber zurück zum Burnout-Syndrom.

Viele Menschen in der heutigen Zeit fühlen sich erschöpft und ausgebrannt. In J.R.R. Tolkiens Roman "Der Herr der Ringe" sagt Bilbo Beutlin einmal, er fühle sich "ausgemergelt", wie "Butter, auf zu viel Brot verstrichen". Ich selbst kenne das Gefühl sehr gut. Nur: was steckt dahinter? Ist das Burnout? Und: was ist das eigentlich?

Burnout ist keine Diagnose im medizinischen Sinne. Vielleicht tun sich daher so viele Therapeuten damit schwer und auch Sie als Betroffener möchten womöglich nicht mit dieser "Modediagnose" abgestempelt werden oder haben Sorge, in die "Psycho-Ecke" gedrängt zu werden. Burnout wird in der internationalen Klassifikation als "Problem bei der Lebensbewältigung" als Zusatzdiagnose (Z 73) aufgefasst. 

Beim Burnout-Syndrom handelt es sich um eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund von Überlastung. Die Überlastung wird meist durch Stress ausgelöst, der aufgrund einer verminderter Belastbarkeit nicht bewältigt werden kann.

Dies wirft natürlich die Frage auf, was überhaupt Stress ist. Hier hat jeder eine andere Definition. Häufig fallen uns zunächst psychische Stressoren ein, z.B. Zeitdruck bei der Arbeit, Ärger im familiären Umfeld oder Gehetze im Straßenverkehr. 

Der Begründer der Stressforschung, der ungarisch-kanadische Arzt Dr. Hans Selye, definiert Stress als "unspezifische Reaktion des Organismus auf jede Art von Anforderung". Das heißt also, immer, wenn unser Organismus auf einen äußeren Reiz antworten muss, stellt das erst einmal "Stress" dar! Beispiele für derartige äußere Reize ("Stressoren") habe ich weiter unten aufgeführt. Nimmt die Anzahl der Stressoren zu und rauben wir unserem Körper womöglich gleichzeitig noch die Ressourcen zur Stresskompensation (z.B. durch zu wenig Entspannung) kann unser System dekompensieren und erste stressbedingte Störungen stellen sich ein. 

Allgemein wird Stress oftmals beschrieben als "Zustand oder Anspruch, dem eine Person ausgesetzt ist, der jedoch die persönlichen, sozialen und individuellen Möglichkeiten zur Bewältigung die Person überfordert."


Stressoren

Neben den oben genannten Auslösern, die uns schnell einfallen, "stressen" unseren Körper also auch viele weitere Faktoren (alphabetisch, ohne Anspruch auf Vollständigkeit!):

  • akute und chronische Infektionen
  • Allergien
  • Angst
  • Arbeitslosigkeit
  • Dysbiose
  • Elektrosmog
  • finanzieller Druck
  • genetische Polymorphismen
  • hormonelle Störungen
  • HWS-Instabilität
  • koffeinhaltige Getränke
  • Konflikte
  • Krankheiten
  • Lebensmittelintoleranzen
  • Mangel an frischer Nahrung
  • Medikamente
  • Mitochondriale Dysfunktion
  • Nährstoffmangel
  • negative Überzeugungen
  • Nitrostress
  • permanenten Zeitdruck
  • Rauchen und andere Rauschmittel
  • Schlafmangel
  • schlechte oder unregelmäßige Ernährung
  • Tod eines geliebten Menschen
  • Toxine
  • Überanstrengung
  • Umweltgifte
  • Unzufriedenheit im Beruf
  • Wundheilung
  • zu wenig Entspannung
  • Zucker und Weißmehlprodukte


Die Ebenen der Stressverarbeitung

Stress können wir vereinfacht gesehen auf drei Ebenen bewältigen: Die erste Ebene sind die Stressoren selbst. Im normalen Alltag können Sie hier z.B. lernen, Ihre Zeit zu führen. Sie können entscheiden, mit welchen Menschen Sie sich umgeben. Sie können mit dem Auto rechtzeitig losfahren, um auf der Straße mehr Zeit zu haben.

In Kontext meiner Therapie heißt es aber auch: Meidung von industriell verarbeiteten Lebensmittel, Reduktion der Giftstoffe und toxischen Metalle im Körper, Therapie von chronischen Infektionen, Abschalten des WLAN-Systems nachts und auf gar keinen Fall das Handy am Nachttisch aufladen!! Studien der Universität Mainz konnten zeigen, dass die Schlafqualität schwer unter elektromagnetischen Störfrequenzen leidet. Vor allem die Tiefschlafphase, also genau da, wo unser Körper die meisten Regenerationsprozesse durchführt, leidet sehr unter E-Smog. Daher: Kein Wecker mit Kabel, kein DECT-Telefon im Schlafzimmer, keine Kabelstränge unter dem Bett, kein Aufladen von Smartwatch oder Mobiltelefon am Nachttisch und nachts das WLAN aus!

Auf der zweiten Ebene der Stressverarbeitung steht Ihre eigene Bewertung des von außen kommenden Reizes, also Ihre persönlichen mentalen Stressverstärker. Therapeutisch können Sie hier durch verschiedene Kurse die "mentale Alchemie" erlernen, um sich selbst bewußt zwischen Reiz und Reaktion zu schalten, um eine Situation bewußt und chancenorientiert zu bewerten. Sie können das Pareto-Prinzip verinnerlichen und dieses gegen Ihren zerstörerischen Holo-Perfektionismus  setzen. Die zweite Ebene ist aus meiner Sicht vor allem mentale Arbeit. Hier können Sie sich im Internet nach Kursen umschauen. Ich habe u.a. von Bodo Schäfer sehr profitiert, er er hat Kurse wie z.B. Mut zum Glücklichsein oder auch das Hörbuch "Mentale Alchemie" herausgegeben. Mir fallen aber auch spontan Pierre Franckh ein oder Robert Betz.

In der dritten Ebene der Stressverarbeitung nun steht das Umgehen und der Abbau von bereits entstandenem Stress, d.h. Ihre Nebenniere hat bereits den Organismus über Adrenalin und Cortisol auf die nun vermeintlich kommenden Kampf oder Flucht vorbereitet. Hier helfen Entspannungetechniken, vom Vagus-Atmen (6 tiefe Atemzüge pro Minute) über Qi-Gong und Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Phantasiereisen oder Autogenem Training bis hin zu einem schönen warmen Bad. Die Stärkung des Entspannungsnerven, des Parasympathikus, ist ein fundamental wichtiger Baustein bei der Stressbewältigung. Und nicht nur da: auch bei der Therapie von stressbedingten Folgeerkrankungen. Studien konnten zeigen, dass regelmäßiges Vagus-Atmen (z.B. 3x10 Minuten pro Tag) den Blutdruck in manchen Fällen so stark senken konnte, wie Medikamente!

Die oben genannten Entspannungsverfahren sind vor allem langfristig dazu geeignet, die trotz Abbau von Stressoren (Ebene 1) und Reduktion der mentalen Stressverstärkung (Ebene 2) noch entstehende negative chronische Stressantwort des Körpers durch Hochfahren der Flucht-oder-Kampf-Systeme zu begegnen.

In meiner Praxis kann ich Ihnen hier durch intravenöse Infusionstherapien, die me2.vie-Systemtherapie und Akupunktur sehr schnelle Unterstützung geben. Durch hochdosierte Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren, durch den fachgerechten intravenösen Einsatz von Cholin, Procain und Natriumhydrogencarbonat, durch die Anwendung von Hochfrequenz-Elektroden der me2.vie-Therapie direkt am Kopf sowie der Nadelung oder Quaddelung bestimmter Akupunkturpunkte habe ich hier Werkzeuge zur Verfügung, die mir selbst sehr gut geholfen haben und auch Ihnen aus dem Tief helfen können. Abhängig von Laborbefund kann ich Ihnen dann noch neuroadaptive Komplexpräparate und Substanzen wie z.B. 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) oder SAM (S-Adenosyl-Methionin) und auch Co-Faktoren der Neurotransmittersynthese (z.B. B-Vitamine, Kupfer, Magnesium) empfehlen.

Die Stressantwort des Körpers

Das Verständnis, wie unser Körper neurophysiologisch auf Stress reagiert, ist elementar wichtig zur (ergänzenden) naturheilkundlichen Therapie von Erschöpfung und Burnout.

Stress ist die natürliche Gegenreaktion auf physische oder psychologische Reize, sogenannte Stressoren, um das natürliche dynamische Gleichgewicht für den Organismus wieder herzustellen.

Diese Stressantwort des Körpers wird über das Endokrine System gesteuert. Das Endokrine System umfasst Hormone und hormonähnliche Substanzen, die von endokrinen Zellen oder Drüsen, in die Blutbahn abgegeben werden. Mit diesem System werden die vegetativen Funktionen zur Erhaltung, Fortpflanzung und Leistung für den Organismus gesteuert. 

Interessant hierbei ist, dass die Stressantwort vom Körper immer gleich ist, unabhängig vom jeweiligen Auslöser!

Alle Stressfaktoren, also sowohl Zeitdruck bei der Arbeit, eine Infektion oder auch nur Treppensteigen bewirken über die sogenannte neuroendokrine Stressachse die Ausschüttung von Botenstoffen. Dies sind in diesem Zusammenhang vor allem: Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin, Cortisol, Serotonin, Glutamat und GABA. Durch diese Botenstoffe kann unser Organismus nun seine, im Laufe der Evolution bewährte natürliche Stressantwort steuern. Wir müssen dabei bedenken, dass in Urzeiten eine chronische Stressbelastung keine Rolle bei der evolutionären Entwicklung dieses Systems spielte. Die Stressantwort diente vor allem der kurzfristigen Antwort auf eine akute Gefahr, z.B. durch ein größeres Raubtier, aber auch umgekehrt zur schnellen Anpassung bei der Jagd. Kampf oder Flucht, Laufen oder Raufen, Fight or Flight sind hier die Stichworte (aber auch Starre und Totstellen). Diese Funktion übernimmt auch bei uns das urzeitliche "Reptiliengehirn".

 Die Botenstoffe übernehmen bei der Regulation des neuroendokrinen Systems folgende Aufgaben:

  • Dopamin - Konzentrations- und Motivationsbooster
  • Noradrenalin - Wachheitslenker
  • Adrenalin - Leistungs- und Stresshormon
  • Cortisol - Aktivitäts- und Stresshormon
  • Serotonin - Stimmungsbote und Glückshormon
  • GABA - Beruhigungsmittel
  • Glutamat - Aufputschmittel

Stress ist aus Sicht der Evolution ein lebenswichtiger Vorgang und seit Millionen von Jahren ein wirksamer Verteidigungs- und Überlebensmechanismus! Durch die schnelle physiologische Anpassung und der Ausschüttung von Stresshormonen und Botenstoffen als Reaktion auf Reize aus der Umwelt war der Urzeitmensch in der Lage, sich bei Gefahr auf den Selbsterhalt zu konzentrieren.

Um den Körper in einer akuten Stress-Situation auf "Kämpfen oder Fliehen" vorzubereiten, mussten also schnelle Anpassungen im Organismus erfolgen. Wenn wir uns nun in einer lang anhaltenden, chronischen Stress-Situation befinden, ist die Reaktion unseres Organismus noch genau, wie es die Evolution wir vor vielen tausenden von Jahren eigentlich erfolgreich eingeführt hat. Nur kann es bei uns zu chronischen Erkrankungen führen. Zum Beispiel ist für Kampf oder Flucht eine schnelle Blutdruckerhöhung wichtig. Langfristig kann sich allerdings eine krankhafte Bluthochdruckstörung entwickeln. Auch die Zurverfügungstellung von Blutzucker für die Muskelarbeit ist bei Kampf oder Flucht äußerst sinnvoll, bei längerem Stress kann sich allerdings ein Diabetes mellitus entwickeln. Die akut sinnvolle Muskelanspannung führt bei längerer Stresseinwirkung oftmals zu Schmerzen. 


 Vom Stress zum Burnout

Ein Burnout-Syndrom entwickelt sich in der Regel über längere Zeit. Als Betroffener fühlen Sie sich innerlich ausgebrannt und emotional erschöpft. Oft spielen starke Belastungen oder andauernder Stress in Beruf oder Familie eine Rolle. Viele Menschen mit Burnout sind mit großem Engagement bei der Sache und stellen dabei eigene Bedürfnisse hinten an.

Kontinuierlicher Dauerstress für zur einer Erschöpfung der körpereigenen Mechanismen für die Stresstoleranz. Der Übergang zum Burnout-Syndrom als neuropsychische und physische Reaktion auf die chronische Stressbelastung ist die Folge.